Tragkonstruktion

Leitung: o. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Klaus Bollinger
Die Prinzipien, die bei der konstruktiven Gestaltung von Architektur zur Anwendung kommen, stammen zu einem großen Teil von Annahmen und Modalitäten ab, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Im Zuge der Industrialisierung wurde neben dem Eisenbeton ein weiterer Baustoff mit erheblicher Zugfestigkeit eingeführt: Stahl. Diese Innovation ermöglichte Gebäude in bis dahin nicht gekannten Höhen und Spannweiten. Die damals eingeführten Berechnungsverfahren basieren auf einer Kategorisierung statischer Systeme, die bis heute unser Denken bestimmen; und so hängt auch heute noch die Strukturgeometrie sehr stark davon ab, ob Ingenieure in der Lage sind, die konstruktiven Prinzipien entsprechend zu handhaben und effizient zu berechnen.

Heute bieten uns die digitalen Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte jedoch nahezu unfassbare Möglichkeiten in Konzeption, Optimierung, Berechung und Herstellung sogenannter »Kunstbauten«. Diese stehen bisweilen in starkem Widerspruch zu den traditionellen Vorstellungen eines Konstruktionsansatzes, der aus einer »a priori«-Auswahl der wichtigsten Bauteile nach äußeren Randbedingungen besteht. Stattdessen entsteht das statische System aus einem integrativen Entwurfsprozess, den Grundsätzen von Optimierungsalgorithmen und vorgegebenen Parametern folgend. In enger Zusammenarbeit mit den Planern können so bei entsprechender Handhabung, Verständnis und Kapazitäten die optimalen, den gestalterischen Ansatz »tragenden« Strukturen entwickelt und eingesetzt werden.