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Code & Repräsentation I
Ort und Zeit
universität für angewandte kunst wien
abtlg. digitale kunst
expositur sterngasse 13, A-1010 Wien
Prüfungsmodalitäten
In der nächsten Blockveranstaltung am Mo, 26.3., 13.00-15.00 werden - auf Wunsch der StundentInnen - aus dem Film MELANCHOLIA (Lars von Trier) folgende Symbole und Bilder decodiert und in ihrer Bedeutung erforscht: FLUSS, HINGABE, STEIN, NACHT, NACKTHEIT (Frau/Mann), MOND, HEXE, KATZE. Angeregt durch folgendes Bild aus dem erwähnten Film:
Themenstellung der Lehrveranstaltung
Was bedeuten digitale Codes, Symbole, Konstrukte, figurale oder fraktale Elemente der eigenen Bilder im tiefenpsychologischen Katalog? Wie wirken sie auf den/die Betrachter/in? Was können sie in ihr/ihm auslösen? Dieses Seminar ist ein Experiment der Selbsterfahrung mit den eigenen Arbeiten und Projekten als Medium. Darüber hinaus ermöglicht die Dechiffrierung der Zeichen Erkenntnis über den kreativen Prozess und dessen Blockaden.
ZEICHEN UND SYMBOLE
Im Rahmen einer Psychotherapie geht es vor allem um Wahrnehmungs – bzw. Achtsamkeitschulung und um das Lernen Gefühle genau wahr zu nehmen, zu spüren und zu verbalisieren.
Eine zentrale Rolle ist die Entwicklung der SYMBOLISIERUNGSFÄHIGKEIT, die eng an eine genügend gute Beziehung geknüpft ist. Im SYMBOL wird etwas Abwesendes in der Vorstellungswelt, in der Traumwelt und der Phantasie wieder hergestellt.
Die Herausbildung von Identität hat mit der Fähigkeit zur Trennung und sich selbst in Beziehungen als getrennt zu erleben, zu tun. Im griechischen SYMBOLON steckt der Begriff „Zusammengefügtes“ : Teile, die sich zu einer Gestalt verbinden, sich ergänzen und etwas Sinnhaftes Ganzes ergeben.
Bereits in frühesten Kulturen wurde mittels Symbolen und Zeichen das Imaginäre, Numinose, Unsichtbare in konkrete Form gebracht. Die älteste Wissenschaft Astrologie entstand aus Sternen am Himmel und daraus gebildeten Symbolen, die jedem Menschen zugeordnet wurden.
Im Gegensatz zur heutigen Fragmentierung im Erfassen der Dinge war damals die Gestaltwahrnehmung (des „Zusammengefügten“), das ganzheitliche Erfassen naturhaft.
C.G. Jung spricht von archetypischen Bildern, globalen und transkulturellen Zeichen, mit denen jeder von verbunden ist. Er bezeichnet sie als Urformen, als kulturelles, gemeinsames Gedächtnis der Menschheit (Kollektives Unbewusstsein): Die Zeichen für den Kampf der Sonne mit der Nacht, Licht und Dunkel, Sterne und Mond waren Phänomene und Hinweise für kreativen kulturellen Ausdruck , die über das formale Abbild weit hinaus gingen. Symbole, Mythen, Märchen waren nicht nur formale Piktogramme. Viel wichtiger war deren Bedeutung, die dahinter liegende spirituelle und emotionale Aussage.
Der menschlichen Entwicklung entgegen laufend scheint sich die Geschichte der Kunst zu verhalten. Immer mehr geht der zentrale Stellenwert von Symbolen verloren, zugunsten rationaler, konkreter und realer Konstruktionen. Die Verschriftlichung der Kommunikation schlug sich zunächst in Bildern nieder, später in Buchstaben, Zeichen, Zahlen und Textzusammenhängen. Das digitale Zeitalter reduziert Komplexität auf binäre Zeichen, obwohl Kommunikation und Beziehung immer bildhaft zu verstehen sind.
Die Entwicklung der Symbolisierungsfähigkeit geschieht in der Beziehung zur Mutter. Dazu Peter Weibel in Psychologie heute:
„Die Entwicklung zum eigenen Selbst hängt mit der Notwendigkeit des Babys zusammen, sich von der Brust der Mutter zu lösen. Zunächst lernt es glücklich zu sein, wenn das wichtigste Objekt, die Brust der Mutter..., die ihm Lust verschafft, sich nähert, und das Baby wird aggressiv, wenn diese fern bleibt. Dann bekommt es den Schnuller, ein symbolisches Objekt für die Brust. Das Baby lernt durch die symbolische Objektbeziehung dem Anderen Freiheit zu gewähren und auf die Kontrolle der Brust, das heißt der Mutter, ...des Anderen, zu verzichten. Das Hineinwachsen in die Fähigkeit einer symbolischen Objektbeziehung ist die elementare Grundlage der Zivilisation. .. Später wird das Baby den Schnuller durch Kunst beispielsweise oder Religion ersetzen".
„Keine Brust“, „keine Milch“ erzeugen den ersten Gedanken, das erste Symbol, die erste Ahnung, von etwas getrennt zu sein.
Das SEMINAR soll den Individuationsprozess anregen und das Bewusste mit dem Unbewussten in ein produktives Verhältnis setzen. Zugang zum Unbewusst-Intuitiven erfolgt über Symbole und Zeichen, - in Verbindung mit der eigenen Arbeit - die uns aus dem Alltag vertraut sein können, aber zusätzlich zum konventionellen Sinn noch besondere Nebenbedeutungen haben, etwas Unbestimmtes, Unvertrautes, Unbekanntes oder für uns Unsichtbares enthalten. Ein Wort, ein Bild, ein Werk sind symbolisch, wenn sie mehr enthalten, als man auf den ersten Blick erkennen kann.
Ein Kunstwerk trifft das Unbewusste und weist über die Gegenwart hinaus ins Zeitlose und kommuniziert mit dem Unbewußten des Betrachters.
Der Workshop dient als Übungsfeld im geschützten Kreis der TeilnehmerInnen empfänglicher zu werden und zur Enträtselung von Zeichen, die jenseits des Kartesianischen ihre halluzinatorische Kraft entfalten.
Studienplanzuordnungen
Universität für angewandte Kunst Wien
Oskar Kokoschka-Platz 2
A-1010 Wien
T: +43-1-71133-0
E: pr@uni-ak.ac.at
























