Lehrende und MitarbeiterInnen

Logar, Ernst wiss. Mitarb. Mag.art.

Titel
Reflecting Oil - Workshop X
Untertitel
Heather Davis
Typ
FWF PEEK Projekt
Schlagwörter
Plastik, Petrozeit
Texte
Heather Davis stellt einige Ideen über unsere Beziehung zu Plastik vor, die sie in ihrem bald erscheinenden Buch Plastic Matter theoretisiert. Während wir kaum unmittelbaren Kontakt zu Rohöl haben, so Davis, ist unsere Beziehung zu Plastik intim, da Plastik unter anderem in unserer Nahrung und in unserer Kleidung vorhanden ist. Plastik ist heute in unsere Kultur eingebettet, es ist überall. Mikroplastik ist in unserer Umwelt allgegenwärtig. Was bedeutet es, unseren Planeten mit diesen Molekülen überzogen zu haben? Im Gegensatz zu Amanda Boetzkes’ Forschung, die sich auf das Konzept von Abfall und dessen Beziehung zu Kapitalismus konzentriert, setzt Heather Davis einen geologischen Schwerpunkt. Plastic Matter untersucht, wie sich unsere materiellen Beziehungen aufgrund von Plastik verändert haben. Kunststoff ist zu einer geologischen Figur geworden und schafft eine neue Rückkopplungsschleife, die die Umwelt beeinflusst. Bestimmte sinnliche Erfahrungen werden in unserer heutigen Umgebung normalisiert. Der Geruch eines neuen Autos ist für uns angenehm geworden. Was ist jedoch mit der Toxizität dieses Geruchs? Wie hat unsere Beziehung zu Petrochemikalien unsere Vorstellung von Schönheit verändert? Heather Davis legt dar, dass Plastik Teil organisierter wissenschaftlicher Bemühungen ist, eine abgeschottete und und saubere Welt zu schaffen. Plastik entsteht somit aus einem Prozesses, der auf Sauberkeit und Eindämmung abzielt. Jedoch dringt Plastik letztendlich in das natürliche System ein. Plastik bietet uns somit eine tiefgreifende Erkenntnis über die Beziehung zwischen der natürlichen und der synthetischen Welt. Diese Reflexion über die Materialisierung von Kunststoff geht mit einer Diskussion über den Begriff der Plastizität Hand in Hand. Im Gegensatz zur Bedeutung, die dieser Begriff anklingen lässt, beeinflusst Kunststoff die Umwelt, während er durch sie nicht verändert wird. Eine bestimmte Bohrinsel mit einem bestimmten Stück Plastik zu verbinden ist genauso schwierig wie die Rückverfolgung von Kunststoffgegenständen zu der Fabrik, in der sie hergestellt wurden. Diese Unauffindbarkeit steht im Zentrum dessen, was Heather Davis synthetische Universalität nennt – wie Plastik aus dem Nichts zu erscheinen scheint. Ein weiteres zentraler Begriff in Plastic Matter ist die Petrozeit. Heather Davis ist der Ansicht, dass sich bei Öl alles um die Komprimierung der Zeit dreht. Wenn die im Öl enthaltene Energie schließlich freigesetzt wird, beschleunigt dies unsere Zeit. Wir eilen in die Zukunft, um Reflexion über und Rechenschaft für von uns verursachtes Leid zu vermeiden. Unsere Beziehung zu Öl, genau wie das Wegwerfen von Plastik nach nur einmaliger Verwendung, zeigen dies sinnbildlich. Wir müssen unsere Unfähigkeit überwinden – in der Gegenwart zu leben., Heather Davis shares some ideas about our relationship with plastic which she theorises in her forthcoming book, Plastic Matter. She argues that while our tangible contact with crude oil is almost non-existent, our relationship with plastic is intimate, as plastic is present in our food and in our clothes, for example. Today, plastic is embedded in our culture – it is everywhere. Micro-plastics are pervasive in our environment. What does it mean to have our planet coated in these molecules? In contrast to Amanda Boetzkes’ research, which focuses on the notion of waste and its relationship with capitalism, Heather’s has a geological focus. Plastic Matter explores how our material relationships have changed because of plastic. Plastic has become a geological figure and is creating a new feedback loop which is influencing the environment. Certain sensorial experiences have become normalised in our contemporary landscape. The smell of a new car has become a comforting smell for us. However, what about this smell’s toxicity? How has our relationship with petrochemicals transformed our view of beauty? Heather Davis argues that plastic is part of an engineered scientific effort to create a sealed-off and clean world. Plastic is thus a materialisation of a process which seeks to maintain cleanness and containment. However, plastic eventually enters the natural system. Plastic can offer us a profound lesson about the relationship between the natural and the synthetic worlds. This reflection about the materialisation of plastic goes hand in hand with a discussion of the notion of plasticity. Contrary to what this term might suggest, plastic influences the environment while itself remaining indifferent to the latter. Trying to link a specific oil rig to a specific piece of plastic is difficult in the same way that tracing plastic objects back to the factory that manufactured them is difficult. This untraceability is at the centre of what Heather Davis calls synthetic universality –how plastic seems to appear from nowhere. Another key concept in Plastic Matter is petrotime. Heather Davis considers that oil is all about the compression of time. When the energy contained in oil is eventually released it accelerates our time. We are rushing into the future so as to avoid reflection and accountability for the harm we have caused. Our relationship to oil and how we discard plastic after using it just once, are emblematic of this. We need to overcome our inability to be in the present.
Projektleitung
Ernst Logar
Projektpartner*innen
Montanuniversität Leoben. Department Mineral Resources and Petroleum Engineering, Petrocultures research group
Förderung
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung, Austrian Science Fund, Projekt AR 547.
Förderkategorie
Programme for Arts-based Research (PEEK)
Beteiligung
Heather Davis
Gast
Datum
Datum
2020-08-27 – 2020-08-27
URL