Lehrende und MitarbeiterInnen

Logar, Ernst wiss. Mitarb. Mag.art.

Titel
Reflecting Oil - Workshop XIV
Untertitel
Elisabeth Dokulil
Typ
FWF PEEK Projekt
Schlagwörter
Psychotherapie, Freud
Texte
Elisabeth Dokulil hat ein Doktorat in Biochemie und ist praktizierende Psychotherapeutin in Wien. Ihre Reflexion über Öl begann, als sie mit Verwunderung feststellte, dass Erdöl hauptsächlich als Brennstoff verwendet wird, etwa für Transport und Heizung. Das ist eine eingeschränkte Verwendung einer mächtigen Ressource. Warum verbrennen wir sie einfach? Psychoanalytische Theorie eröffneten für Elisabeth Dokulil eine freudianische Perspektive auf Kultur. In seinem Buch Das Unbehagen in der Kultur (1930) kategorisiert Freud die Instinkte einer Person in zwei Antriebe: den Eros-Antrieb und den Thanatos-Antrieb. Während Eros Sorge tragen möchte, versucht Thanatos zu zerstören. Das ist auch Teil unserer biologischen Notwendigkeit zu sterben. Somit herrscht ein andauernden Konflikt zwischen dem Wunsch, sich um Dinge zu kümmern, und sie zerstören zu müssen. Wir sollten diese Tendenz zur Zerstörung berücksichtigen, wenn wir über Öl nachdenken. Der gegenwärtige Stand der Dinge ist nicht nur das Ergebnis des Kapitalismus, auch wenn der Kapitalismus die natürlichen Ressourcen besonders schlecht schützt. Unsere mit Gier verbundene Ölsucht verhindert, dass wir Alternativen finden und den Suchtkreislauf durchbrechen können. Elisabeth Dokulil spricht, ähnlich wie Imre Szeman in seinem früheren Workshop, auch über Freuds Analyse, wie Wissenschaft und Technologie es Menschen ermöglichen, „sozusagen eine Art Prothesengott“ zu werden und uns so glauben machen, dass wir die Natur dominieren, und dazu bringen unsere Grenzen zu ignorieren. Wir befinden uns mitten in einer Krise: Wenn wir ein Auto kaufen, sehen wir nicht unbedingt, dass wir den Planeten zerstören. Wir werden nicht ermutigt zu sehen. Das Bildungssystem spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Kreativität von Kindern wird darin schon in einem zu jungen Alter eingeschränkt. Wir könnten alle unseren eigenen Stil kreieren und die eigenen Kreationen aller können möglicherweise zusammen wirken, um eine bessere Welt zu schaffen. Stattdessen sind wir gezwungen, Teil einer Masse zu sein, die uns ermutigt, unser spezifisches Selbst aufzugeben. Die künstlerische und wissenschaftliche Kollaboration im Zentrum von Reflecting Oil erinnert Elisabeth Dokulil an ein Gedicht von Goethe über Materialität, Der Zauberlehrling. Wissenschaftler*Innen glauben, dass sie alles manipulieren können. Kunst und Geisteswissenschaften geben der Wissenschaft so eine andere Perspektive, einen fast menschlichen Ansatz. Wissenschaftler*Innen versuchen Ergebnisse zu erzielen, und müssen sich dabei meist selbst vergessen. Deshalb hat Dokulil selbst die Wissenschaft verlassen: „Ich wollte mein Leben nicht opfern. Als Psychoanalytikerin opfere ich mich nicht Institutionen. Ich kann mich erfinden.“, Elisabeth Dokulil holds a PhD in biochemistry and is a practicing psychotherapist, based in Vienna, Austria. Her reflection on oil was triggered by her puzzlement about why oil was used mostly as a fuel, such as for transport and heating. For Dokulil, this is a narrow use of a powerful resource. Why do we simply burn it? Psychoanalytic theory introduced Dokulil to a Freudian perspective on culture. In his book Civilization and Its Discontents (1930), Freud categorises a person’s instincts into two drives: the Eros drive and the Thanatos drive. While Eros seeks to care, Thanatos seeks only to destroy, which is also part of our biological need to die. There is this permanent conflict between wanting to care for things and having to destroy them. We should bear this tendency towards destruction in mind when we engage in a reflection about oil. The current state of things is not only the result of capitalism, though capitalism is the worst at safeguarding natural resources. Our addiction to oil, which is connected to greed, stops us from finding alternatives capable of breaking the cycle of addiction. Elisabeth Dokulil, much like Imre Szeman in his earlier workshop, also talks about Freud’s analysis of how science and technology allow human beings to “become a kind of prosthetic God,” and thus to lead us to believe we dominate nature and to ignore our limitations. We are in the middle of a crisis: when we buy a car, we don’t necessarily see that we’re destroying the planet. We are not encouraged to see and the educational system has an important role to play in this. Children’s creativity is being cut at too young an age. We could all create our own style and everybody’s own creation can potentially collaborate to make a better world. Instead, we are forced to be part of a mass which encourages us to give up our specific self. Concerning the arts and science collaboration at the heart of Reflecting Oil, Dokulil is reminded of a poem by Goethe about materiality, The Sorcerer’s Apprentice. Scientists feel they can manipulate everything and that arts and humanities can therefore give science a different perspective – a human approach. Scientists are trying to produce outputs and they usually have to forget themselves. This is why Dokulil herself left science: “I didn’t want to sacrifice my life. As a psychoanalyst, I do not sacrifice myself to institutions. I can invent myself”.
Projektleitung
Ernst Logar
Projektpartner*innen
Montanuniversität Leoben. Department Mineral Resources and Petroleum Engineering, Petrocultures research group
Förderung
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung, Austrian Science Fund, Projekt AR 547.
Förderkategorie
Programme for Arts-based Research (PEEK)
Beteiligung
Elisabeth Dokulil
Gast
Datum
Datum
2020-10-22 – 2020-10-22
URL