Lehrende und MitarbeiterInnen

Logar, Ernst wiss. Mitarb. Mag.art.

Titel
Reflecting Oil - Workshop XXV
Untertitel
George Osodi
Typ
FWF PEEK Projekt
Schlagwörter
Fotografie
Texte
Der nigerianische Fotograf George Osodi präsentiert sein großes, vor 20 Jahren begonnenes und fortlaufendes Fotoprojekt, indem er die Auswirkungen von Erdöl auf die Bevölkerung des Nigerdeltas – Afrikas wichtigste Ölförderregion – dokumentiert. Anfangs wurde den Gemeinschaften des Nigerdeltas versichert, dass die seit den 1950er Jahren in der Region stattfindende Ölförderung, Wohlstand und anderen positive Auswirkungen mit sich bringen würde. Sie ahnten noch nicht, dass das, was sie als Rohstoff betrachteten, letztlich zu Gift werden würde. Auf der Suche nach einem Medium, um seine Erfahrungen mit den schädlichen Auswirkungen des Erdölsls in der Region, in der er aufgewachsen ist, zu erzählen, wandte sich Osodi Ende der 1990er Jahre der Fotografie zu. Zu dieser Zeit gab es nur wenige visuelle Darstellungen der Region. Das Nigerdelta ist von einer traumatischen Vergangenheit geprägt, die mit der Ära des atlantischen Sklav*Innenhandels verbunden ist. Zu jener Zeit war die Küste der Region eine Zone, aus der versklavte Afrikaner*Innen über den Atlantik verschifft wurden. Das Nigerdelta ist auch für seine Palmfrüchte bekannt. Vor dem durch die Erdölförderung ausgelösten Niedergang der Landwirtschaft, war Palmöl die wichtigste wirtschaftliche Ressource Nigerias. In den frühen 1960er Jahren war Nigeria der größte Palmölexporteur. Die Boom-Ära des „schwarzen Goldes“ begann in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren, als die Öl-hungrige westliche Welt ihren Blick auf Nigeria richtete. Das in dieser Zeit ins Land geflossene Ölgeld trug zu einer neuen Dynamik bei. Geprägt von der Sehnsucht nach Reichtum und einem kostspieligen Lebensstil, veränderte sie das Land gänzlich. Mit der Entstehung einer Elite begann sich eine starke Korruption durchzusetzen. Da es seine bäuerliche Kultur verloren hat, ist Nigeria nunmehr ausschließlich vom Öl abhängig. Obwohl Ölgelder für den Bau von Straßen und Brücken in Nigeria verwendet wurden, fließt nur ein kleiner Teil dieses Geldes in die Delta-Region zurück, wo das Öl gefördert wird. Die Region hat nicht vom Bau von Schulen und Krankenhäusern profitiert; ihre Bevölkerung schlägt sich verarmt und perspektivlos durch. Wie auch anderswo in Afrika, leben die Gemeinschaften der Deltaregion in besorgniserregenden und widrigen Umständen. Osodis fotografischer Ansatz ist sehr ästhetisch, da er darauf abzielt, seine Bilder schön und ansprechend zu gestalten, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erwecken, damit sie das letztendlich sehr dystopische Thema beachten und aufnehmen können. Er findet, je mehr Menschen sich mit den Erzählungen hinter seinen Fotografien auseinandersetzen, desto mehr wird das erforderliche Bewusstsein geschärft, um Veränderungen herbeizuführen. Indem er die Delta-Region sichtbar macht, lädt Osodi uns ein, über die Herkunft des von uns konsumierten Öls und die Auswirkungen unseres Ölverbrauchs auf die Umwelt und die Bevölkerung nachzudenken. Osodis fotografisches Projekt ist ein politisches. Er möchte weitermachen, bis sich für die Region ein positiver Wandel vollzieht. Er will nicht, dass Nigeria weiterhin vom Öl abhängig bleibt. , Nigerian photographer George Osodi presents the major ongoing photographic project that he initiated 20 years ago: the documentation of the impact of oil on the communities of the Niger Delta, Africa’s most important oil-producing region. Niger Delta communities were told at the outset that oil, which has been extracted from the region since the 1950s, was going to bring prosperity and positive effects. They had no idea then that what they regarded as a commodity was going to turn into a poison in the end. In the late 1990s, searching for a medium to narrate his experience of the damaging effects of oil in the region he grew up in, Osodi turned to photography. At the time, there was little visual representation of the region. The Niger Delta is marked by a traumatic past linked to the transatlantic slave trade era, a period when the region’s coastline served as a zone whence enslaved Africans were shipped across the Atlantic. The Niger Delta is also well-known for its palm fruit. Indeed, before the production of crude oil triggered the decline of the country’s agricultural sector, palm oil was Nigeria’s major economic resource. In the early 1960s, the country was the leading exporter of palm oil. The late 1960s and early 1970s saw the ‘black gold’ boom era when the Western world, thirsty for oil, focused its gaze on Nigeria. The oil money generated during this period helped to install a new dynamic, characterized by a desire for wealth and expensive lifestyles, changing the country completely. An elite emerged and corruption started to escalate. Now that it has lost its farming culture, Nigeria is solely dependent on oil. Although oil money was used to build roads and bridges in Nigeria, only a small portion of this money comes back to the Delta region where the oil is extracted from. The region has not benefited from the construction of schools and hospitals; its peoples have been left impoverished with no opportunities, trying to make ends meet. In the Delta region, like elsewhere in Africa, communities are experiencing a disturbing and unpalatable situation. Osodi’s photographic approach is highly aesthetic as he aims to make them beautiful and appealing in order to grab people’s attention so that they will see and relate to what is ultimately a very dystopian subject. He feels that the more people engage with the narratives behind his photographs, the more the awareness needed to enact change will be raised. By making the Delta region visible, Osodi invites us to reflect on the provenance of the oil we consume and the impact of our oil consumption upon the environment and communities. Osodi’s photographic project is a political one, and he aims to continue until there is positive change for the region. He does not want Nigeria to keep on depending on oil.
Projektleitung
Ernst Logar
Projektpartner*innen
Montanuniversität Leoben Department Mineral Resources and Petroleum Engineering, Petrocultures research group
Förderung
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung
Förderkategorie
Programme for Arts-based Research (PEEK)
Beteiligung
Osodi, George
Datum
Datum
2021-05-18 – 2021-05-18
URL