Lehrende und MitarbeiterInnen

Mathoi, Sofie Sen.Sc. Mag.phil.

Titel
stilistische Adaption - Fliesenmosaik Barraum Kabarett Fledermaus
Untertitel
angelehnt an die Gestaltung von Bertold Löffler und Michael Powolny (1907), 2019
Typ
Projekt
Schlagwörter
Wiener Werkstätte, Keramik, Rekonstruktion, Ausstellung, Fliesenmosaik, Moderne, Avantagarde
Texte
Konzept und Organisation: Cosima Rainer & Sofie Mathoi In Zusammenarbeit mit: Institut für Kunst und Technologie – Keramikstudio, Universität für angewandte Kunst Wien; Neuzeughammer Keramik, Fachschule für Keramik und Ofenbau Stoob, Spadlinek und Fliesenmacher Unterstützt von: NEURAUM, Spadlinek und Fliesenmacher, Neuzeughammer Keramik, Ardex Baustoff, Agrob Buchtal, Wedi Dekor Fliesen (Hauptteil): Beate Seckauer – Neuzeughammer Keramik Dekor Fliesen (Bartheke): Maria Wiala – Universität für angewandte Kunst Wien Fliesenlegen: Fachschule für Keramik und Ofenbau Stoob Pläne und Entwürfe: Sofie Mathoi, Filip Charchaci, Robert Müller, Maria Wiala und Lucy.D Design Dank an die Lehrenden und Studierenden der Universität für angewandte Kunst Wien sowie an die Lehrer und Schüler/Innen der Fachschule für Keramik und Ofenbau Stoob: Martina Zwölfer, Sandra Gigerl, Doris Grossi, Christian Ruschitzka Diana Barbosa Gil, Anita Bauer, Veronika Beringer, Felix Eselböck, Christina Fiorenza, Twan Geissberger, Petra Holländer, Kyung Ran Koch, Caro Laa, Jisun Lee, Dolores Mery Freire, Roxana Minoueipour, Jannis Neumann, Jens Ostengaard, Elisabeth Panholzer, Nika Petrovic, Pablo Pacios Prado, Benjamin Risavy, Shaya Safaisini, Siggi Sekira, Ea Stjernholm, Annalena Stocker, Susanna Strasser, Karoline Taisser, Chin Tsao, Sarah Vogels, Olga Wukounig. Josef Johann Koth Olivia Berger, Marie-Christin Ebner, Lea Kienreich, Elisabeth Mayrhofer, Sarah Wilcek, Vinzenz Zwölfer Der Barraum des Kabarett Fledermaus. Zur Rekonstruktion eines legendären Ortes Die Abteilung Kunstsammlung und Archiv hat im letzten Jahr das keramische Dekor des Barraums des Kabarett Fledermaus (1907-1913) nach einer einzigen existierenden Schwarz-Weiß-Fotografie in Form einer stilistischen Adaption und in Kooperation mit Expert_innen und Künstler_innen wie Maria Wiala und Beate Seckauer rekonstruiert. Somit ist es nun möglich, dem experimentellen Raumgefüge und der künstlerischen Vision dieses ungewöhnlichen Etablissements nachzuspüren. Das von Josef Hoffmann geplante Kabarett Fledermaus an der Ecke Johannesgasse / Kärntnerstraße war neben dem Palais Stoclet in Brüssel und dem Sanatorium Purkersdorf eines der herausragendsten Projekte der Wiener Werkstätte. An der Umsetzung waren zahlreiche Künstler_innen beteiligt. Die stilistische Adaption nach den Entwürfen von Josef Hoffmann, Bertold Löffler und Michael Powolny ist Teil des Sammlungsbestandes und ist als Leihgabe in der Ausstellung „Into the Night. Cabarets and Clubs in Modern Art“ im Barbican Centre London 2019 und im Unteren Belvedere Wien 2020 zum ersten Mal ausgestellt. Egon Friedell hielt in seiner Rückschau auf das Kabarett fest: «Nie hat es ein farbigeres und beschwingteres, kapriziöseres und originelleres Kabarett gegeben als die «Fledermaus» und nirgends bessere Weine als in der Bar.» Die Verschmelzungen unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen einerseits aber auch von Kunst und Handwerk andererseits, ließ dieses einmalige keramische Dekor entstehen, das die Experimentierfreude der beteiligten Künstler widerspiegelt und auch als Vorläufer einer geometrisch-abstrakten Moderne gelesen werden kann. Da es sich um eine Annäherung an das abgetragene Original handelt, trägt das Projekt den Titel - „stilistische Adaption – Fliesenmosaik im Barraum des Kabarett Fledermaus, nach Entwürfen von Bertold Löffler und Michael Powolny (1907), 2019. Keine einzige Fliese ist aus dem vermutlich zwischen 1913 – 1945 zerstörten Fliesenmosaik erhalten. Das ausnahmslos keramische Wanddekor wurde 1907 von der Keramik-Werkstätte „Wiener Keramik“ gestaltet, die 1906 von den Künstlern Michael Powolny und Bertold Löffler gegründet wurde. Die künstlerische Vielfalt der im Fliesenmosaik verwendeten Motive ist erstaunlich. Neben folkloristischen Elementen, befinden sich abstrahierte aber auch stark illustrierte fast comicartige Motive. Augen, Bären, Vögel, Putti, Blumen und Pflanzenranken, mythologische Figuren, Karikaturen und dekorative Muster gestalten eine bunte Palette an Dekoren. Es ist heute schwer nachzuvollziehen welchen Anteil an den Motiven welcher Künstler beigesteuert hat. In der „Wiener Keramik“-Werkstatt wurden ein reger Austausch und enge Zusammenarbeit praktiziert und Entwürfe und Ausführungen entstanden in ebendieser Atmosphäre. Ein besonderes Merkmal ist die Farbgebung: die kräftigen Farben der „Wiener Keramik“ waren neben Werken aus Russland in Europa ein Novum. Einige Motive, die auch in der Fledermaus verwendet wurden, scheinen in den Modellbüchern der „Wiener Werkstätte“ auf. Dies resultiert aufgrund des Vertriebs von „Wiener Keramik“ Modellen ab 1907 über die „Wiener Werkstätte“. Von den insgesamt 56 in der Fotografie abgebildeten Motiven, welche auf den zwei Wänden und in der Bar, ersichtlich sind, konnten 11 Motive mithilfe existierender Vorlagen aus Modellbüchern und Sammlungsbeständen sowie Skizzen aus dem Nachlass von Bertold Löffler in der Kunstsammlung der Universität für angewandte Kunst Wien nachvollzogen werden. Ungefähr 33 weitere Motive konnten aufgrund der Sichtbarkeit / Erkennbarkeit in der Fotografie, die durch grafische Nachbearbeitung aufgehellt und verbessert wurde, stilistisch nachempfunden werden. Die genaue Farbigkeit sowie die Dekore und Anordnung des gesamten Barraums sind leider nicht überliefert. Gemeinsam mit der Firma Spadlinek und Fliesenmacher die auf objektbezogene Sonderfertigungen von historischer Baukeramik spezialisiert ist, Maria Wiala vom Keramikstudio an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie Beate Seckauer und ihrer Firma Neuzeughammer Keramik konnte nach intensiver Recherche genug Material aufbereitet werden um die 44 Dekore zu modellieren und zu produzieren. Diese Fliesen verstehen sich als Interpretation der Originale. Das Muster der Fliesenanordnung wurde in Anlehnung an die fotografische Vorlage mittels digitaler Visualisierung auf die "unbekannten" restlichen Wänden übertragen. Schüler*innen der Keramikschule Stoob verlegten die gefertigten Dekore gemeinsam mit handglasierten monochromen Fliesen und Industriematerial, nach dem rekonstruierten Muster auf einzelne Paneele. Aus diesen 98 Paneelen setzt sich die stilistische Adaption des Fliesenmosaiks zusammen und demonstriert den Besucher*innen ein geradezu psychedelisches Raumgefühl der Wiener Moderne.
Projektleitung
Sofie Mathoi
Projektpartner*innen
Maria Wiala, Cosima Rainer
Datum
Datum
2018-11-05 – 2019-10-03
URL