Schwerpunkt Gravitation – Interdisziplinärer Workshop

Gravitation bestimmt das Leben auf unserem Planeten. Sie hält die Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne, sie verhindert das Entweichen von Atmosphäre und Wasser, sie lässt alles Lebendige und Gebaute an der Erde haften, sie arbeitet schließlich kontinuierlich gegen das Zerfallen des Planeten. Die Wirkung der Schwerkraft ist unmittelbar erfahrbar und beobachtbar, unsere Körper sind – wenn auch nicht perfekt – gut auf das Phänomen eingestellt. So selbstverständlich die Gravitation auch zu sein scheint, ein umfassendes physikalisches Verständnis des Phänomens steht auch heute noch aus. Das Bemühen, Erklärungsmodelle für die Schwerkraft zu finden, gab es hingegen zu jeder Zeit.
Mag uns also ein letztgültiges Verständnis von der Schwerkraft fehlen, so können wir die Auswirkungen der Gravitation umso deutlicher im Alltag beobachten und spüren. Trotz oder gerade wegen dieser unumgänglichen weltlichen Verankerung, schien die Idee seit jeher reizvoll, sich der Schwerkraft zu entziehen und Erfahrungen des Fliegens, Schwebens und der Schwerelosigkeit zu machen. Während das Loslösen von der Erde lange dem Reich der Märchen, Mythen, der Religion und des Aberglaubens zugehörig oder anderen Lebewesen wie Insekten, Quallen und Vögel vorbehalten war, änderte sich das rasch als der Himmel profan wurde und sich die Wissenschaften des Luftraums annahmen. 1783 stiegen die ersten Menschen mit einem Heißluftballon in die Lüfte, nicht einmal zweihundert Jahre später flogen Menschen zum Mond und konnten die Schwerelosigkeit am eigenen Körper erfahren. Heute lockt die Raumfahrt mit dem Versprechen, jede*r könne den schwebenden Zustand genießen und den Weltraum in Zukunft besuchen. Mit der rasanten Entwicklung der kommerziellen Raumfahrt und damit verbundenen Fantasien vom Abbau von Rohstoffen und gleichzeitigem Rückzug der staatlichen Institutionen, finden sich in der aktuellen Kunst vermehrt Positionen, die kritisch unsere Anwesenheit im Weltall reflektieren, eine veränderte Gravitation imaginieren oder die Schwerelosigkeit konkret untersuchen.

Unter Beteiligung von:
Markus Aspelmeyer (Institute of Quantum Optics and Quantum Information)
Barbara Imhof (LIQUIFER Systems, Universität Innsbruck)
Christian Klösch (Technisches Museum Wien)
Ebru Kurbak (Bildende Künstlerin)
Leonie Licht (Kunsttheoretikerin, Universität Innsbruck)
Ralo Mayer (Bildender Künstler)
Bernd Oppl (Bildender Künstler)
Barbis Ruder (Bildende Künstlerin)
Armin Shayeghi (Institute of Quantum Optics and Quantum Information)
Lucie Strecker (Bildende Künstlerin)
Tanja Traxler (Wissenschaftsjournalistin, Der Standard)
Jan Völker (Universität für angewandte Kunst Wien)

Eine Veranstaltung der Abteilung Kulturwissenschaften, konzipiert und organisiert von Florian BettelLiddy Scheffknecht und Anna Spohn.

 

Veranstaltung
Workshop
21. Oktober 2026, 10:00 - 19:00
Universität für angewandte Kunst Wien, FLUX 2, Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien