Das Belvedere widmet dem Werk der
österreichisch-amerikanischen Künstlerin und Kunstpädagogin Erika Giovanna Klien (1900–1957) eine umfangreiche Personale.
Als herausragende Vertreterin des Wiener Kinetismus erlangt Klien früh internationale Bekanntheit. Ihre Leidenschaft für Theater
und Tanz führt zu innovativen Bühnenbildentwürfen und komplexen Darstellungen bewegter Körper. Ab 1929 lebt Klien in New York,
was sich in einer verstärkten Auseinandersetzung mit urbanen Räumen und sozialen Fragen manifestiert. (
Belvedere)
Kuratiert von: Verena Gamper.
Co-Kuratorin: Veronica Liotti
Assistenzkuratorin: Johanna Hofer
Ausstellungsgestaltung: Robert Müller
Zu den Beständen von Kunstsammlung und Archiv gehören vielfältige grafische Arbeiten, Unterrichtsmanuskripte
sowie ein paar Briefe von Erika Giovanna Klien, die eine wichtige Position im Umfeld der Wiener Kunstgewerbeschule einnahm.
Nach der Teilnahme an Franz Čižeks Jugendkunstkurs begann sie 1919 ihr Studium und besuchte Kurse wie Ornamentale Formenlehre
(Čižek), Ornamentale Schrift (Rudolf Larisch), Naturstudium (Viktor Schufinsky) und Aktstudium (Adolf Boehm). Als eine von
mehreren jungen Künstlerinnen wie Marianne My Ullman, Elisabeth Karlinsky oder Margarete Schütte-Lihotzky nutze sie den Kontext
der Lehre von Franz Čižek, um eine spezifische Formensprache zu entwickeln. In dieser Zeit beschäftigte sie sich intensiv
mit der ungarisch-russischen Avantgarde und dem Futurismus – Kunstströmungen die zu der Zeit in Wien sehr präsent waren.
Zwischen 1923 und 1924 konzipierte sie ein kinetisches Marionettentheater, in dem ihre Ideen von einer
neuen Stadt
inszeniert werden sollten. Der Journalist und Schriftsteller Leopold W. Rochowanski beschrieb dessen „anti-psychologisierenden
Realismus der Bewegung“ als zentrales Merkmal des sogenannten „Wiener Kinetismus“. Die Arbeit steht im Kontext der von Friedrich
Kiesler 1924 konzipierten Internationalen Theaterausstellung im Wiener Konzerthaus.
Klien war als Gebrauchsgrafikerin
tätig und entwarf unter anderem Buchumschläge, Spielzeug und Briefmarken. Ab 1926 arbeitete sie als Kunstpädagogin an der
nach ganzheitlichen Lehrprinzipien ausgerichteten Elizabeth Duncan School in Klessheim (Salzburg). In dieser Zeit entstand
die Werkserie
Klessheimer Sendbote – künstlerisch gestaltete Briefbotschaften an Freund*innen in Wien. Ende der 1920er
Jahre wanderte sie in die USA aus und unterrichtete in New York an mehreren Schulen, wie der Dalton School und der New School
for Social Research und ab 1946 an der Walt Withman School. Klien verband in ihrem Unterricht bildende, angewandte und darstellende
Kunst und verstand Kunstpädagogik als eine Form künstlerischer Praxis.
Erika Giovanna Kliens Arbeiten kreisen um
Bewegung, Dynamik und gesellschaftliche Veränderung. Ihre Bildsprache, zugleich klar, experimentell und poetisch, besitzt
bis heute eine eindringliche Aktualität – und macht sie zu einer Stimme, die weit über ihre Zeit hinausweist.